Deutschland präsentiert sich weltweit als Vorreiter beim Schutz des Planeten, bei Umweltauflagen und Recycling. Doch gleichzeitig finanzieren deutsche Institutionen nun eine Ammoniakanlage in dem geschützten Ökosystem der Bucht von Ohuira (Sinaloa, Mexiko). Mit deutschem Geld darf keine Umweltzerstörung in der Bucht von Ohuira finanziert werden. Mit dieser klaren Botschaft ist eine Delegation der mexikanischen Initiative „¡Aquí No!“ (“Hier nicht!”) nach Deutschland gereist. Ihr Ziel: die Fertigstellung der voraussichtlich größten Ammoniakfabrik Lateinamerikas im geschützten Feuchtgebiet von Santa María-Topolobampo-Ohuira zu verhindern. Die Aktivist*innen befürchten einen ökologischen Kollaps der Lagune und damit den Verlust der Lebensgrundlage lokaler Indigener Gemeinden.
Das Projekt des Unternehmens Gas y Petroquímica de Occidente (GPO), einer Tochter der Schweizer Proman AG, die auch einen Standort in Düsseldorf hat, wird maßgeblich durch die deutsche KfW IPEX-Bank ermöglicht: Sie koordiniert ein Bankenkonsortium für Kredite in Höhe von 860 Millionen US-Dollar und tritt selbst als Geldgeberin auf. Hinter diesem Kredit stehen sogenannte Hermesdeckungen: staatliche Exportkreditgarantien der deutschen Bundesregierung.
Zuständig für diese Garantien ist das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie – geführt von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche. Sie sitzt zudem im Verwaltungsrat der KfW, dem Aufsichtsgremium der Bank.
Fakt ist: Eine Ammoniakanlage neben einem international geschützten Feuchtgebiet, ohne gültige Umweltgenehmigung, gegen den ausdrücklichen Willen der betroffenen Bevölkerung: das wäre in Deutschland nicht genehmigungsfähig. In Mexiko wird es trotzdem gebaut – mit deutschem Steuergeld! Katherina Reiche trägt dafür politische Mitverantwortung.